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Missale Lunea - Ignigena

Die Formensprache der Missale Lunea begleitete mich schon eine lange Zeit. Ende 2003 suchte ich erneut nach den Wurzeln der ebenfalls von mir digitalisierten Simeon. In der kalligraphischen Studie eines bekannten deutschen Schriftgestalters fielen mir sofort einige seiner Unzial-Buchstaben auf, die noch älteren Ursprunges als die der Simeon waren. Es waren trotzdem deutliche Anklänge zur Simeon zu erkennen, wenn auch mit gefälligeren, weicheren Formen. Der «Sound» war dennoch ganz ähnlich, was nicht verwundert, denn die Unziale basiert auf einer seit Jahrhunderten bekannten und tradierten Formensprache. In Schreibheften, die es bis in die 50er Jahre zuhauf gab, kann man diverse Übungen und Alphabete zu dieser schönen Schriftgattung finden.

So reifte in mir die Idee, eine Symbiose beider Form-Modelle in einer neuen Schrift zu wagen. Kurz: männliche Konstruiertheit (siehe Simeon) mit weiblichen, weichen Formen zu vereinen. Die Anmutung der Wortbilder der Simeon sollte weitestgehende erhalten bzw. verbessert werden.

Als Ausgangsformen zog ich die Buchstaben »B« und »C« heran. Sie waren auch die ersten Formen, die ich digital durchmodellierte. Charakteristisch für Beide: eine kräftige Strichstärke; deutliche, markante Rundungen und deren stark ab- und anschwellender Federzug. Fast alle Grundzüge der Missale Lunea lassen sich in beiden Buchstaben wiederfinden.

Für weitere Formen experimentierte ich mit Breitfedern und zusammengebundenen Bleistiften. Die Suche für ein erstes digitales Formen-Modell kann recht mühsam sein. Oft braucht es viele Versuche, doch nach einiger Übung liefert die Schreibhand deutliche Hinweise, in welche Richtung sich eine Form entwickeln sollte. Dennoch ist Missale Lunea keine gänzlich mit der Hand geschriebene Schrift, da jede Figur stark nachmodelliert wurde. Der kalligraphische Eindruck ist jedoch erhalten geblieben.

Missale Lunea hat verglichen mit anderen Uncial-Typen einige Besonderheiten: nicht alle Groß- & Kleinbuchstaben sehen gleich aus. Viele «Kleinbuchstaben» sind etwas schmaler oder haben eine gänzlich andere Form, wie z.B. das kleine t. Auch wenn es im ersten Moment nicht auffallen mag, machen sich diese feinen Unterschiede im Textsatz positiv bemerkbar. In Ausnahmen, etwa um den Satz bündig zu halten, kann man dennoch auf die breiteren Formen der Großbuchstaben zurückgreifen. Um Wörter zu verkürzen enthält die Type viele Ligaturen, die sich über OpenType Funktionen erschließen. Genauere Details zu den Unterschieden sind der Probe zu entnehmen.

 

 

 

 

 
   
     


© 2003 Andreas Seidel